Startseite / News / Im Fokus / Im Fokus / Klimalabor Köln: Valide Daten für die klimaresiliente Anpassung hochfrequentierter Innenstadtlagen
August | 2026
Klimalabor Köln: Valide Daten für die klimaresiliente Anpassung hochfrequentierter Innenstadtlagen
Aktionstag auf dem Wallrafplatz hat gezeigt: Wirksame Klimaanpassung muss nicht kompliziert und teuer sein, sondern zum jeweiligen Ort und Ziel passen.
Raymond Wollenberg (r.) erläutert Medienvertretern die Wirkung der Verschattungsmaßnahme auf der Hohe Straße, Köln
Wie können Innenstädte auch an heißen Sommertagen attraktive Orte für Einzelhandel, Aufenthalt und Begegnung bleiben? Dieser Frage widmet sich das Kooperationsprojekt „Klimalabor Köln“. Am 21. August 2026 präsentierten die Aachener Grundvermögen, das Stadtmarketing Köln und die Universität zu Köln auf dem Wallrafplatz erste wissenschaftliche Ergebnisse aus dem Reallabor – mit großer Resonanz bei Passantinnen und Passanten sowie in den Medien.
Unter der Schirmherrschaft Oberbürgermeisters der Stadt Köln, Torsten Burmester, der am Aktionstag durch Bürgermeisterin Derya Karadag vertreten wurde, konnten sich die Besucherinnen und Besucher über aktuelle Messergebnisse, Wärmebildaufnahmen und Simulationen informieren. Im „Cool City Lab“ der Universität zu Köln und der TH Köln wurde außerdem anschaulich und interaktiv erlebbar, wie unterschiedliche Oberflächen und Klimaanpassungsmaßnahmen auf das Stadtklima wirken.
Vom Pilotprojekt zum Reallabor
Verschattung eines Teilstücks der Hohe Straße vor dem Kölner Dom
Der Ursprung des Klimalabors liegt in der Verschattungsmaßnahme eines Teilstücks der Hohe Straße, die die Aachener Grundvermögen und das Stadtmarketing Köln im Jahr 2024 installiert haben. Ursprünglich war eine horizontale Verschattung vorgesehen. Da diese von der Feuerwehr nicht genehmigt wurde, kam eine vertikale textile Lösung zum Einsatz. Was zunächst eine notwendige Planänderung war, erweist sich heute als wirkungsvolle Maßnahme. Wie die Forschungsergebnisse aus dem Klimalabor zeigen, kann gerade diese Form der Verschattung die thermische Belastung in den besonders strahlungsintensiven Stunden spürbar reduzieren.
Gefördert wurde die Pilotierung zu 80 Prozent über den Verfügungsfonds Kölner City von KölnBusiness im Rahmen des Bundesprogramms „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“. Den Eigenanteil sowie die Kosten für die jährliche Remontage trägt die Aachener Grundvermögen.
Doch welchen konkreten Effekt hat die Verschattung? Und wie stark verändert sie die Bedingungen für Menschen, die sich in der Hohe Straße aufhalten?
Diese Fragen stellte sich Raymond Wollenberg, ESG-Manager bei der Aachener Grundvermögen und Initiator des Klimalabors Kölnt. Da das PropTech-Unternehmen hystreet.com, Tochterunternehmen der Aachener Grundvermögen, bereits über ein Sensornetzwerk zur Messung von Passantenfrequenzen verfügt, lag es nahe, dieses um Klimasensorik zu ergänzen. Gemeinsam mit der Universität zu Köln, die bereits ein dichtes Messnetz zur Erfassung von Klimadaten in Köln betreibt, entstand so ein deutschlandweit einmaliges Reallabor, durch das Klimadaten und Besucherverhalten miteinander in Beziehung gesetzt werden können.
Mehr als 40 Sensoren liefern lokale Klimadaten
Seit 2025 wird die Verschattungsmaßnahme wissenschaftlich begleitet. Mehr als 40 Sensoren erfassen entlang der Hohe Straße und auf dem Wallrafplatz kontinuierlich lokale Werte zu Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und CO₂. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Dr. Nils Eingrüber vom Geographischen Institut und Prof. Dr. Ulrich Löhnert vom Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln. Parallel dazu misst hystreet.com die Passantenfrequenz in Echtzeit. Dadurch entsteht eine Datengrundlage, die nicht nur die klimatischen Bedingungen, sondern auch mögliche Zusammenhänge mit der Nutzung der Innenstadt sichtbar macht. Die hystreet-Passantenfrequenzen zeigen einen deutlich negativen Zusammenhang zwischen steigenden Temperaturen und der Zahl der Menschen in der Innenstadt.
Die Ergebnisse aus dem Sommer 2025
Die ersten Messergebnisse haben die Projektbeteiligten überrascht:
Die Verschattungsmaßnahme kann an sehr heißen Tagen zu einem signifikanten Kühleffekt von 2-3°C in den Nachmittagsstunden führen.
An besonders windstillen Hitzetagen lässt sich teils eine Kühlwirkung der Lufttemperatur von bis zu 5°C feststellen.
Die gefühlte Temperatur von Passantinnen und Passanten kann durch die Verschattung dabei um bis zu 11°C reduziert werden.
Damit zeigen die Daten, dass such eine vergleichsweise einfache und kurzfristig umsetzbare Maßnahme die Aufenthaltsqualität in einer hochfrequentierten Fußgängerzone spürbar verbessern kann.
Im Jahr 2026 nutzte Lauren Gülker für ihre Masterarbeit an der Universität zu Köln die erhobenen Sensordaten zur Kalibrierung eines hochauflösenden 3D-Mikroklimamodells der Hohe Straße. Sie untersuchte sechs Klimaanpassungsszenarien unter vergleichbaren Bedingungen.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass unterschiedliche Maßnahmen unterschiedliche Wirkungen entfalten:
Fassadenbegrünung reduziert die thermische Belastung besonders großflächig und beständig.
Wasservernebelung senkt die Lufttemperatur am stärksten. Ihre Wirkung ist jedoch räumlich begrenzt und reduziert die thermische Belastung der Menschen vergleichsweise wenig.
Verschattung wirkt insbesondere lokal und während strahlungsintensiver Stunden. Gerade dort kann sie die thermische Belastung deutlich reduzieren.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob eine Maßnahme kühlt, sondern was sie kühlt. Ob die Lufttemperatur oder die thermische Belastung der Menschen. Ebenso relevant sind die Position, die räumliche Ausdehnung, die Gebäudegeometrie, der Sonnenstand und der Zeitpunkt der Wirkung.
Klimaanpassung für den konkreten Ort
Raymond Wollenberg erläutert unter großem medialen Interesse einer Besucherin die Forschungsergebnisse aus dem Klimalabor Köln
Die zentrale Botschaft des Klimalabors lautet daher: Klimaanpassungsmaßnahmen müssen standort- und zielbezogen geplant werden. Für eine stark frequentierte Fußgängerzone wie die Hohe Straße ist insbesondere die thermische Belastung der Passantinnen und Passanten relevant. An anderen Orten kann dagegen die Senkung der Lufttemperatur oder die großflächige Verbesserung des Mikroklimas im Vordergrund stehen.
„Die Zukunft unserer Innenstädte hängt auch davon ab, ob Menschen sich dort gerne aufhalten. Daher ist es wichtig, die Wirkung von Klimaanpassungsmaßnahmen wissenschaftlich belastbar zu messen“, sagte Dr. Frank Wenzel, Geschäftsführer der Aachener Grundvermögen, beim Aktionstag. Die Ergebnisse zeigten, dass Verschattung die gefühlte Temperatur spürbar senken könne und zugleich vergleichsweise kostengünstig und kurzfristig umsetzbar sei.
Für die Aachener Grundvermögen ist die klimaresiliente Weiterentwicklung innerstädtischer Handelslagen auch eine Frage des langfristigen Werterhalts ihrer Immobilien. Dies zeigt sich auch in der geplanten Entwicklung des heutigen Media-Markt-Gebäudes auf der Hohe Straße. Die bislang auf Einzelhandel fokussierte Immobilie soll ab 2027 zu einem modernen Multi-Use-Objekt in Holzhybridbauweise mit vertikal begrünter Fassade und intensiv begrüntem Innenhof weiterentwickelt werden.
Große Medienresonanz und ein künftiges Modell für andere Städte
Der Aktionstag stieß nicht nur bei den Besucherinnen und Besuchern vor Ort auf großes Interesse, sondern fand auch eine breite mediale Resonanz.
Die Erkenntnisse aus der Hohe Straße sollen künftig auf andere innerstädtische Räume und Handelslagen in Deutschland übertragbar gemacht werden. Das Klimalabor zeigt, wie Forschung, digitale Messdaten und praktische Maßnahmen zusammenwirken können, und schafft damit eine Grundlage für standortgerechte Entscheidungen zur Klimaanpassung in Innenstädten.
„In einer der besten Handelslagen in der Kölner Innenstadt hat sich mit dem Klimalabor eine Initiative gegründet, die aktiv wissenschaftlich fundierte Lösungen zu den derzeit deutlich spürbaren klimatischen Veränderungen erarbeitet. Die vergangenen Wochen haben uns allen gezeigt, wie wichtig es ist, praktische Lösungsansätze in die Umsetzung zu bringen und damit eine Verbesserung des Stadtklimas zu erwirken. Deshalb habe ich gern für das Projekt die Schirmherrschaft übernommen.“
Torsten Burmester, Oberbürgermeister der Stadt Köln und Schirmherr des Klimalabor Köln
Um Ihnen ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern bzw. darauf zuzugreifen. Wenn Sie diesen Technologien zustimmen, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn Sie Ihre Zustimmung nicht erteilen oder zurückziehen, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional
Immer aktiv
Der Zugriff oder die technische Speicherung ist unbedingt für den rechtmäßigen Zweck erforderlich, um die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Abonnenten oder Nutzer ausdrücklich angefordert wurde, oder für den alleinigen Zweck der Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Voreinstellungen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Nutzer beantragt wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Aufforderung, die freiwillige Zustimmung Ihres Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht zu Ihrer Identifizierung verwendet werden.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.