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Aachener Grundvermögen Sonja Nees

Sonja Nees

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Juli | 2026

Benediktbeurer ZukunftsGespräche 2026: Impulse für die Pflege von morgen


Zwei Frauen auf einer Bühne, im Hintergrund das Logo der Aachener Grundvermögen und der 17. Benediktbeurer ZukunftsGespräche
Geschäftsführerin Nathalie Winkelmann und Moderatorin Britta March

Als Investorin in Sozial- und Gesundheitsimmobilien bringt die Aachener Grundvermögen einmal im Jahr Fachleute aus Pflegewirtschaft, Wissenschaft, Politik und Immobilienbranche im Zentrum für Umwelt und Kultur im Kloster Benediktbeuern zusammen. Die 2009 ins Leben gerufenen Benediktbeurer ZukunftsGespräche haben sich in der Pflegebranche als Format etabliert, das auf die Qualität des Gesprächs setzt. Zwei Tage, intensive Diskussionen, wechselnde Perspektiven und jedes Jahr die Frage, wie Pflege und Wohnen im Alter besser gedacht werden können.

Die 17. Ausgabe fand am 16. und 17. Juni 2026 unter dem Leitmotiv „Der Pflegemarkt in Bewegung – Lebensräume in die Zukunft denken“ statt. Das Motto trifft den Zeitgeist, denn Deutschland diskutiert derzeit die größte Pflegereform seit Jahren. Steigende Eigenanteile in der stationären Pflege, ein sich verschärfender Fachkräftemangel, neue digitale Möglichkeiten und ein demografischer Wandel, der keine Zeit lässt, stellen die Branche vor strukturelle und immer dringlicher werdende Fragen.

Nathalie Winkelmann übernimmt die Gastgeberrolle

In diesem Jahr übernahm Nathalie Winkelmann, Geschäftsführerin der Aachener Grundvermögen, erstmals die Gastgeberrolle. Sie löste damit Georg Heinze ab, der die ZukunftsGespräche ins Leben gerufen, etabliert und über viele Jahre geprägt hatte und Ende 2025 in den Ruhestand gegangen ist. Das bewährte Format blieb erhalten, doch Winkelmann setzte inhaltlich auf einige neue Impulse. In ihrer Begrüßung erinnerte sie daran, dass Pflege ein Thema ist, das früher oder später alle betrifft: „Lebensräume für ältere Menschen müssen nicht nur gebaut, sondern gestaltet werden, weil Selbstbestimmung und Teilhabe heute wichtiger sind denn je.“

Die inhaltliche Moderation der zweitägigen Pflegefachtagung übernahm bereits zum zehnten Mal in Folge Gesundheits- und Pflegexpertin sowie Kommunikatorin Britta March.

Podiumsdiskussion bei den Benediktbeurer ZukunftsGesprächen
Podiumsdiskussion „Pflegeheime, Betreutes Wohnen, Quartierskonzepte – Was braucht die Zukunft?": Karin Gaiser, Ralf Licht, Christian Möhrke.

Tag 1: Der Mensch im Mittelpunkt

Den inhaltlichen Auftakt von Tag 1 gestaltete Prof. Dr. phil. Dr. h.c. Dipl.-Psych. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie an der Universität Heidelberg. Sein Vortrag „Anthropologie, Ethik und Recht – Kompass für innovative Konzepte in der Pflege?“ kritisierte eine zu enge, rein körper- und verrichtungsorientierte Sicht auf Pflegebedürftigkeit und plädierte dafür, den Menschen in seiner Totalität zu verstehen, also körperlich, seelisch, geistig, sozial und kulturell. Pflege als Beziehungsarbeit und als gesellschaftliche Aufgabe zu begreifen bedeutet für Kruse, mehr Kommunalisierung, stärkeres bürgerschaftliches Engagement und konsequentere interdisziplinäre Zusammenarbeit einzufordern.

Die anschließende Podiumsdiskussion „Pflegeheime, Betreutes Wohnen, Quartierskonzepte – Was braucht die Zukunft?“, moderiert von Britta March und Martin Hölscher (Leiter Ankauf Gesundheitsimmobilien bei der Aachener Grundvermögen), bündelte fünf Perspektiven auf die Pflege der Zukunft. Karin Gaiser (AOK Baden-Württemberg), die sehr kurzfristig für Sr. Anna-Maria Kofler (Steyler Missionsschwestern) eingesprungen war, brachte den kommunalpolitischen Blick ein, Christian Heerdt (Kuratorium Deutsche Altershilfe, KDA) die systemische Perspektive. Ralf Licht (Carestone Group) adressierte steigende Baukosten und die Frage, was echte Heimat bedeutet, Christian Möhrke (Cureus GmbH) betonte die Bedeutung attraktiver Immobilien für die Fachkräftegewinnung, und Dominik Rommel (IllerSENIO/Caritasverein Illertissen) forderte flexible Konzepte, die tatsächlich auf individuelle Bedürfnisse eingehen.

Andrea Stewig-Nitschke, Pflegevorständin der Medizinischen Universität Lausitz, zeigte am Nachmittag unter dem Titel „Regionales Versorgungsziel der Zukunft – von Pflicht über Option zu Gestaltung“, was entsteht, wenn ein kommunales Krankenhaus den Mut zur Neuerfindung aufbringt. Aus einem Klinikbetrieb mit klassischer Hierarchie wurde eine Einrichtung mit dezidiert interprofessioneller Ausrichtung, darunter Primary Nursing, ein Kompetenzzentrum Pflege und neue Versorgungsansätze wie Community Health Nursing. Ihre Kernbotschaft: „Interprofessionalität ist kein Konzept, sondern eine Haltung.“

Senior Living und sozialer Auftrag

Der anschließende Best-Practice-Vergleich zwischen Kip Sloane (Schönes Leben Gruppe) und Gundekar Fürsich (Caritas Erfurt) machte deutlich, dass hinter den Begriffen „Senior Living“ und „Residenz“ mehr steckt als ein Imageversprechen. Sloane beschreibt sein Konzept als „Robinson Club für den dauerhaften Aufenthalt“, selbstbestimmtes Wohnen mit optionalen Services und ambulanter Pflege bis Pflegegrad 5, ausgerichtet auf das obere Einkommensdrittel. Fürsich, der in Erfurt die gesamte Bandbreite von exklusivem Innenstadtwohnen bis zu Fünf-Euro-Mieten betreibt, versteht sich zuvorderst als Anwalt derjenigen, die sich im Alter kaum etwas leisten können, und benennt das strukturelle Versagen beim Namen: Kommunen finanzieren lieber den teureren Pflegeheimplatz, als Mietkosten im betreuten Wohnen zu übernehmen, weil dafür unterschiedliche Kostenträger zuständig sind. Einig waren sich beide darin, dass der Markt für differenzierte Wohnformen im Alter noch längst nicht ausgeschöpft ist und dass politische Rahmenbedingungen fehlen, damit diese Angebote nicht nur für Wohlhabende zugänglich bleiben.

Den Abend gestaltete Peggy Elfmann als Dinner Speakerin. In ihrer Keynote „Sprache öffnet Räume – Vom Hinschauen und Zuhören“ zeigte sie, wie sehr der Umgang mit älteren Menschen und Menschen mit Demenz von Sprache, Haltung und echtem Zuhören geprägt wird, und erzählte dabei auch von ihrer eigenen Erfahrung als Angehörige einer an Alzheimer erkrankten Mutter. Dabei ging es ihr nicht nur um Empathie im Alltag, sondern um die gesellschaftliche Dimension von Sprache. Begriffe schaffen Bilder, Bilder beeinflussen Haltungen, und Haltungen entscheiden darüber, ob Menschen im Alter als Persönlichkeiten mit Geschichte und Bedürfnissen wahrgenommen werden oder auf ihre Einschränkungen reduziert bleiben. Sprache, so Elfmanns Botschaft, kann Teilhabe ermöglichen und Würde bewahren, aber nur, wenn man sich die Zeit nimmt, wirklich hinzuschauen und zuzuhören.

Mehrere Frauen stehen auf der Bühne und werden für ihr zukunftsweisendes Engagement in der Pflege ausgezeichnet
Auszeichnung "Zehn Perspektiven" durch die Stiftung Zukunft Altenpflege

Tag 2: Auszeichnung, Prävention und Zukunftsszenarien

Tag 2 begann mit einer Premiere. Olav Sehlbach und Dr. Sarina Strumpen von der Stiftung Zukunft Altenpflege, 2024 gegründet mit dem Ziel, bis 2040 Perspektiven für die Langzeitpflege zu schaffen, zeichneten erstmals im Rahmen der Pflegefachtagung zehn Frauen für ihr zukunftsweisendes Engagement aus. Die Jury entschied sich bewusst für eine ausschließlich weibliche Auswahl, weil Pflege zwar überwiegend von Frauen getragen wird, ihre Perspektiven in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik aber noch immer zu wenig sichtbar sind. Die Ausgezeichneten kommen aus Wissenschaft, Pflegepraxis, Management, Verbandsarbeit und Verwaltung und stehen für Themen wie Digitalisierung, Diversität, Klimawandel und Demokratie in der Pflege.

Dr. Ute Teichert, Ministerialdirektorin a.D., stellte in ihrem Vortrag „Zukunft beginnt vor der Krise: Lebensräume präventiv gestalten“ die These auf, dass Prävention vorausschauend gedacht werden muss. In Deutschland werden rund 770.000 Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen betreut, mehr als 70 Prozent davon sind 80 Jahre und älter. Prävention in diesem Kontext bedeutet den Erhalt von Lebensqualität, Würde und Teilhabe. Teichert forderte einen echten Kulturwandel und plädierte für eine konsequente „Health in All Policies“-Strategie sowie starke öffentliche Gesundheitsdienste. Ihr Zitat fasste den Anspruch prägnant zusammen: „Gesundheit und Pflege dürfen nicht erst Thema werden, wenn die Krise da ist.“

Neue Wohnformen in der Praxis

In der abschließenden Podiumsdiskussion „Chancen und Risiken neuer Wohnformen: Was funktioniert, was nicht?“ diskutierten Andrea Stewig-Nitschke, Christian Heerdt (KDA), Annemarie Fajardo (FaHoWi Beratung & Bildung), Martin Hölscher (Aachener Grundvermögen) und Dominik Rommel (IllerSENIO), wie neue Wohn- und Versorgungsmodelle in der Praxis gelingen können. Einigkeit herrschte darin, dass Menschen frühzeitig nach ihren Lebens- und Qualitätsvorstellungen befragt werden müssen, dass Quartierlösungen klassische stationäre Strukturen oft übertreffen und dass Prävention, Selbstbestimmung und digitale Innovationen die zentralen Hebel der Zukunft sind.

Den Schlusspunkt setzte Prof. Daniel Buhr von der Steinbeis Hochschule und der Universität Tübingen. Sein Vortrag „Turing trifft Bismarck? Wohnen und Pflege in der Zukunft.“ spannte den Bogen von philosophischen Grundfragen des guten Lebens bis zu konkreten Zukunftsszenarien. Wohlbefinden, so Buhr, entsteht aus dem Zusammenspiel von materieller Sicherheit, Gesundheit, Bildung, sozialen Beziehungen, Autonomie und einem passenden Wohnumfeld. Wohlfahrt 4.0 bedeutet für ihn, den Sozialstaat mit den Möglichkeiten der Digitalisierung konsequent weiterzuentwickeln. Er skizzierte vier Szenarien, vom Status quo mit wachsenden Finanzierungslücken über ein progressives Reform- und Innovationsszenario bis hin zu einem dystopischen und einem stark digitalisierten Pfad. Sein Fazit: Vertrauen, Offenheit und Flexibilität sind die Grundhaltungen, ohne die kein Wandel gelingt.

Ausblick

Kloster Benediktbeuern
Das Kloster Benediktbeuern

Die Pflege der Zukunft wird nicht an einem einzigen Tisch entschieden, sondern im Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure, Disziplinen und Perspektiven.

Die 18. Benediktbeurer ZukunftsGespräche finden am 8. und 9. Juni 2027 statt.

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